„Wo das Zeichen atmet“ (Poesie)

„Wo das Zeichen atmet“


Von Natalia Martínez


In der Pause der Linie entsteht das Zeichen,
nicht aus Eile, sondern aus Form.

Es ist eine Figur, die lauscht,
es ist eine Linie, die das Schweigen zwischen den Worten ahnt
und es schreibt.

Jeder Kreis, jede Ellipse,
jeder Strich, der im Rhythmus des Stifts entsteht, trägt die Erinnerung
an die Stimme, die noch nicht gesprochen wurde.

Keine Hast. Nur der Puls.

Denn hier,
auf dieser wartenden Seite,
berechnet die Geometrie nicht: sie atmet.

Und was einst System war,
wird Kunst;
was einst Code war, Geste;
was einst Handwerk war, Hingabe.

Betrachte die Zeichen
als wären sie Musik.
Hör sie dir an
als wären sie Bild.

Sie haben nicht aufgehört.
Sie folgen uns. Und sie erwarten uns,
in jedem langsamen Strich,
wo auch die Schrift
zum Gebet wird.

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